Kaum etwas bei einem Auto ist derart wichtig wie das richtige Design. Entsprechenden Kultstatus haben sich über die Jahrzehnte die Kreativkräfte innerhalb der Führungsebenen erarbeitet. Nachdem in den Entwicklungsabteilungen bereits kaum ein Stein auf dem anderen blieb, wird es auch in den Designcentern Zeit für einen Neustart. Den haben einige Hersteller längst eingeleitet.
Gorden Wagener ist einer der großen Stars in der Designerszene. Der gebürtige Essener (57) lebt seit vielen Jahren an der Westküste der USA und pendelte regelmäßig nach Stuttgart, um den Fahrzeugen mit Stern ihren letzten Schliff zu geben. So selbstbewusst und extrovertiert Wagener nach außen war, damit regelmäßig auch aneckte, so sehr wurde seine Expertise und sein Teamgeist in der ganzen Branche geschätzt. Kaum ein anderer Mercedes-Designer hat der Sternenmarke über fast drei Jahrzehnte derart seinen Stempel aufgedrückt wie der Familienvater, der sportliche Autos ebenso liebt wie Pferde und Surfen im Pazifik. Seit einigen Monaten wurde hinter den Untertürkheimer Kulissen gemunkelt, dass er sich noch 2025 verabschieden werde. Mitte Dezember wurde verkündet, der die Weltpremiere der aufgefrischten S-Klasse Ende Januar der letzte großer Auftritt von Gorden Wagener unter dem Sternenbanner werden würde.
Sein Nachfolger überrascht, denn mit dem AMG-Designer Bastian Baudy dürften nur wenige gerechnet haben. Zu wenig hatte sich der 40jährige bisher in den Vordergrund spielen können und eine entsprechende Bühne bekommen. Dass er nunmehr seit dem 1. Februar neuer Chefdesigner von Mercedes ist, dürfte nicht zuletzt an seinem Alter liegen. Gorden Wagener hatte das Amt von Peter Pfeiffer mit 39 übernommen – jetzt also Baudy, der in wirtschaftlich schweren Zeiten das Ruder übernimmt und beim Mercedes-Design gibt es gerade durch die verpatzten Modelle EQE / EQS einiges zu tun. Was er wirklich bewirken kann, wird man je nach Modell jedoch erst in drei bis fünf Jahren sehen. Bis dahin sind alle Fahrzeuge bereits entschieden und weitgehend mit einem Designfreeze versehen.
Doch der Wechsel von Gorden Wagener auf Bastian Baudy ist nicht der einzige Kreativwechsel im Großraum Stuttgart. Auch Porsche wechselt seinen Chefdesigner Michael Mauer aus, der den schwäbischen Sportwagen seit mehr als 20 Jahren ein Gesicht gab. Sein Nachfolger Tobias Sühlmann überrascht nur auf den ersten Blick, denn dieser kommt von McLaren und das war auch der letzte Arbeitgeber des neuen Porsche-CEO Dr. Michael Leiters. „Michael Mauer hat bei Porsche eine Ära geprägt. Mit seinem Team hat er das ikonische Design des 911 behutsam in die Neuzeit geführt und gleichzeitig die Porsche Design-DNA unverkennbar auf neue Modellreihen übertragen“, so Leiters.
Michael Mauer startete 2004 als vierter Designchef in der langjährigen Historie von Porsche. Seine Vorgänger hießen Ferdinand Alexander Porsche, Anatol Lapine und Harm Lagaay. Wie Mauer studierte auch der 46jährige Tobias Sühlmann Automobildesign an der Hochschule Pforzheim. Der künftige Leiter Design begann 2005 zunächst bei Volkswagen und wechselte dann zu Bugatti. Als Head of Exterior Design ging es für ihn zu Aston Martin, ehe er erstmals für McLaren arbeitete. Bei Bentley war er später maßgeblich am Design des Batur beteiligt. Im September 2023 kam er als Chief Design Officer zu McLaren.
Damit nicht genug, denn auch bei BMW kündigt sich ein Wechsel an der Spitze der Designabteilung an. Der 61jährige Adrian van Hooydonk ist mehr als drei Jahrzehnte bei den Bayern und dürfte sich ebenfalls in den kommenden 18 Monaten verabschieden. Wer sein Nachfolger wird, steht noch nicht fest, obschon die Münchner ihre Kreativabteilung vor knapp zwei Jahren neu aufgestellt haben. Für das Design der BMW Modelle der oberen Mittelklasse, Oberklasse sowie von BMW Alpina wurde Maximilian Missoni von Wettbewerber Polestar ins BMW-Designteam geholt. Oliver Heilmer verantwortet seither die BMW-Modelle der kleinen und mittleren Baureihen sowie der M-Fahrzeuge. Beide dürften sich ernsthafte Hoffnungen auf die Nachfolge von van Hooydonk machen, während Anders Warming von Rolls-Royce zu BMW Designworks gewechselt ist, wo er auf Holger Hampf nachfolgte, der nunmehr die kommenden Mini-Generation erarbeitet.
Doch nicht jeder Wechsel auf der Position des Chefdesigners ist ein Generationensprung. Der mittlerweile 56jährige Marc Lichte, Volkswagen-Urgestein, war ein Jahrzehnt für das Design der Audi-Modelle verantwortlich und gehörte zu den angesehensten Kreativkräften in der Branche, der in knapp drei Jahrzehnten mehr 150 Fahrzeuge – darunter verschiedene Golf-Generationen und die neue Linie der vier Ringe - gestaltete. Er verließ die Ingolstädter vor eineinhalb Jahren und wurde mehr als überraschend von Massimo Frascella ersetzt, der zuvor bei Jaguar Land Rover arbeitete. Mit Jahrgang 1971 ist der gebürtige Italiener gerade einmal zwei Jahre jünger als Marc Lichte.
Mercedes-Benz verliert kreativen Kopf
Paukenschlag: Chefdesigner Gordon Wagener geht
Philipp Römers – ebenfalls lange Jahre erfolgreich im Volkswagen Konzern unterwegs - verließ Audi ebenfalls und ist im Alter von 47 Jahren seit einigen Monaten für die neuen Polestar-Modelle nach dem Polestar 6 verantwortlich. Er folgte auf den gleichalten Maximilian Missoni, der das BMW-Trikot überstreifte. Bei der Schwestermarke Volvo, ebenfalls zum chinesischen Geely Konzern gehörend, gab es den ungewöhnlichsten Personalwechsel der vergangenen zehn Jahre. Erst holten die chinesischen Schweden Hakan Samuelsson aus dem Ruhestand auf den CEO-Posten zurück und der reaktivierte den ehemaligen Volvo-Chefdesigner Thomas Ingenlath, zwischenzeitlich Polestar-CEO und 62 Jahre alt, auf seine alte Position. Immerhin ist dieser zwölf Jahre jünger als der 74jäghrige Samuelsson. Anzunehmen, dass beide in der Übergangszeit jüngere Nachfolger suchen und in den Positionen einarbeiten.
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