BMW feiert aktuell i3 / iX3 / i7, Mercedes das elektrische Doppelpack aus C-Klasse und GLC, Volkswagen freut sich auf den ID Polo und Audi frischt seinen Q4 Etron auf. Das dürfte die Vorgängergenerationen nicht allein auf dem Gebrauchtwagenmarkt unter Druck setzen, denn auch die Händler haben noch viele Modelle auf dem Hof. Viele von ihnen sind Neu- oder Vorführwagen.
In den vergangenen Monaten hat sich auf dem Markt der Elektroautos jede Menge getan. Nicht allein Hersteller aus China brachten eine Reihe neuer Fahrzeuge in die Verkaufsräume, sondern auch die europäischen Marken präsentierten eine ganze Reihe von Neuerscheinungen. Einige waren Modellüberarbeitungen mit mehr oder weniger großen Neuerungen, doch gerade die deutschen Firmen machten Lust mit einigen neuen Generationen, die ihre Vorgänger spürbar in den Schatten stellen und sogar Schwestermodelle aus höheren Segmenten mächtig unter Druck setzen.
BMW iX3
Besonders groß ist der Schritt beim neuen BMW iX3, der mit der wenig überzeugenden Vorgängergeneration – ehemals als Hecktriebler allein für den chinesischen Markt gedacht – nichts mehr zu tun hat. Das zweite iX3-Modell als erstes Fahrzeug der sogenannten neuen Klasse bietet 800-Volt-Bordnetz, 400-kW-Schnellladung und Reichweiten von 800 Kilometern. So ist das Vorgängermodell aus 2021 / 2022 bereits für unter 30.000 Euro zu bekommen - fast ein Drittel eines gut ausgestatteten Nachfolgers. Dafür gibt es 210 kW / 286 PS und eine solide Ausstattung. 150 kW Schnellladung reichen für viele Interessenten ebenso aus, wie die mäßige Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h. Der neue BMW iX3 kratzt dabei insgeheim auch an den Luxusmodellen BMW iX und dem Powerhybriden XM, die beide keine Nachfolger bekommen werden.
BMW i7 / 7er
Auch das Topmodell BMW i7 / 7er bekommt zum Sommer eine Modellüberarbeitung und die Luxusversion dürfte auf dem Markt der jungen Gebrauchtwagen damit wohl endgültig zum Schnäppchenpreis zu bekommen sein. Der Wertverfall von Luxuslimousinen und dann noch mit Elektroantrieb ist gigantisch und bei der Modellpflege des BMW i7 hat sich abgesehen von einem neuen Armaturenbrett technisch nichts Grundlegendes getan. Im Gegensatz zum Mercedes EQS behielt der Dingolfinger sein 400-Volt-Bordnetz und trotz neuer Akkutechnik stieg die Ladeleistung auf maximal 250 kW an. Modelle aus 2023 / 2024 mit bisweilen weniger als 30.000 gefahrenen Kilometern kosten derzeit kaum mehr als 70.000 Euro. Dafür gibt es allen nur erdenklichen Luxus, bis zu 400 kW / 544 PS und einen gigantischen Reisekomfort. Für den Nachfolger wird rund das doppelte an Neupreis anfallen. Echter Mehrwert? Überschaubar.
BMW i4
Der kommende BMW i3 ist das faktische Todesurteil für den sehenswerten BMW i4, der bisher eines der erfolgreichsten Elektromodelle der Bayern war. Mit seinem alten Bordnetz und mäßigen Ladetempi hat der BMW i4 trotz seines gefälligen Designs ausgedient. Aktuell geht es bei 62.000 Euro für den 210 kW / 286 PS starken BMW i4 eDrive35 los. Günstige Modelle – bisweilen sogar mit dem stärkeren 250 kW / 340 PS Triebwerk – kosten oftmals unter 30.000 Euro (drei Jahre alt, 100.000 km). Hier dürften die Preise gerade für junge Gebrauchte und neue BMW i4 schnell nach unten rutschen.
Mercedes GLC
Beim direkten Wettbewerber Mercedes sieht es ganz ähnlich aus. Hier wird der elektrische Mercedes GLC EQ jedoch insbesondere die jungen Verbrenner und Versionen mit Plug-in-Hybridantrieb unter Druck setzen. Für einen Basispreis von 71.000 Euro gibt es beim GLC EQ viel Platz und neueste Lade- / Akkutechnik, was so manchen Fahrer eines Mercedes GLC ins Elektrolager drücken dürfte. Hier sind sinkende Preise gerade bei jungen Gebrauchten ebenso zu erwarten wie bei der Mercedes C-Klasse, die zum Sommer auf gleicher Plattform ebenfalls eine bis zu 360 kW / 489 PS starke Elektroversion bekommt. Die elektrische C-Klasse dürfte auch große Probleme für den elektrischen Mercedes EQE bedeuten, der bisher ohnehin kein Erfolgsmodell war. Die neue C-Klasse kann mehr, bietet viele High-Tech und ein gefälligeres Aussehen.
Mercedes EQS
Für den ohnehin alles andere als erfolgreiche Mercedes EQS wird es zukünftig noch schwerer. Zumindest auf dem Gebrauchtwagenmarkt, denn hier brachte die bereits zweite Überarbeitung nicht allein mehr Status und Ausstattung, sondern das wertvolle 800-Volt-Bordnetz, das das Nachladen deutlich beschleunigt. Mit dem neuen 122-kWh-Batteriepaket sind beim 300 kW / 408 PS starken Mercedes EQS 450+ mehr als 900 Kilometer bis zum nächsten Ladestopp drin. Bereits jetzt gibt es drei Jahre alte EQS 450+ mit Laufleistungen unter 100.000 Kilometern für unter 50.000 Euro – rund 60 Prozent unter Neupreis.
VW ID Polo
VW ist stolz auf seinen neuen ID Polo, der zwischenzeitlich einmal ID2 hieß. Die Preise mit dem allzu kleinen 37-kWh-Batterie beginnen bei rund 25.000 Euro. Reale Modelle mit großem Batteriepaket sind jedoch über 30.000 Euro teuer und dürften damit nennenswerte Auswirkungen auf den klassenhöheren VW ID3 haben. Zwar wurde auch der kürzlich mit dem ID3 Neo ein weiteres Mal überarbeitet, doch auch wenn das Design nicht mehr derart polarisierend wie zu Beginn ist und gerade der Innenraum gewonnen hat, ist der kleinere ID Polo für viele Interessenten wohl die bessere Wahl. Er bietet kaum weniger Nutzen, ist gefälliger und das modernere Fahrzeug – gute Zeiten für potenzielle Käufer eines neuen ID3 Neo oder junger ID3-Versionen beim Händler.
Audi Q4 Etron
Audi hat seinen Q4 Etron nur sehr dezent überarbeitet, denn abgesehen von Details an Frontmaske und im Innenraum ist vieles beim Alten geblieben. Das hat den Vorteil, dass der bisherige Audi Q4 Etron für viele preislich interessant werden dürfte. Aktuell werden Modelle aus 2022 / 2023 mit unter 50.000 Kilometern in der 35er-Version mit 125 kW / 170 PS oder als 204 PS starker Q4 Etron 40 zwischen 20.000 und 25.000 Euro angeboten. Junge Modelle der alten Generation sollten ebenfalls für neuen Preisdruck sorgen. So gibt es jede Menge Elektro-SUV für überschaubares Geld – schick verpackt.
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